Piraten Willy - English springer Spaniel

Never Say Never Again
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Piraten Willy

Berichte
Am 19. Oktober 2019 war für Willy und mich endlich der große Tag gekommen: die Mantrailer Einsatzprüfung bei der RHS Ostwürttemberg e.V. !!


Ein langer Weg lag bis zu diesem Ereignis hinter uns. Gerne schaue ich kurz auf diesen zurück:

Der Wunsch, einen Mantrailer aus Willy zu machen, war bereits im Welpenalter gefasst. Leider konnte diesem Wunsch damals in unserer Staffel nicht nachgekommen werden und somit entschied ich mich, ihn zum Freiverweiser in der Flächensuche auszubilden. Dort erwies er sich als absolutes Genie und wäre nach rekordverdächtigen 1,5 Jahren auch bereits prüfungsreif gewesen. Leider sorgten persönliche und private Umstände dafür, dass ich für längere Zeit in der Staffel pausieren musste. In der Zeit dieser Pause hatte ich Willy angetrailt, einfach zum Spaß, um ihm geistige und körperliche Auslastung zu bieten. Schnell war auch hier klar: dieser Hund ist eine Granate! Er lebt für die Suche, hat absoluten Finderwillen, gibt nie auf und immer nur sein Bestes. Somit kehrte ich zur Staffel zurück unter der Bedingung, dass ich mit Willy nun ernsthaft den Weg zum Einsatztrailer in Angriff nehmen dürfte. Anfangs auf mich alleine gestellt, suchte ich mir Trainingsmöglichkeiten, was sich mehr als schwierig erwies, da keiner der Trainer mit Willys besonderer Art zu arbeiten umgehen konnte. Von jedem hörte ich früher oder später „lass es bleiben, das schaffst du nicht. Er ist einfach ein Flächenhund“.

Dann hat uns das Schicksal zu ganz tollen Ausbildern einer befreundeten Staffel geführt, die absolutes Potenzial in Willy sahen und sofort sagen „bekommen wir hin. Es wird nicht leicht, aber es ist nicht unmöglich“. Und somit begann ein harter Trainingsweg, der mich mehrmals im Monat einen Fahrweg von 300 km pro Training zurücklegen lies. Oftmals wollte ich aufgeben, war wirklich an meinen Grenzen - doch ich habe es nicht getan. Willy ist ein besonderer Hund. Er löst Dinge auf seine Weise und das zu erkennen und lesen zu lernen war und ist meine große Aufgabe. Meine Ausbilder haben den Schlüssel zu seiner Denkweise gefunden und so konnten wir ihn irgendwann dazu bewegen, besser mit mir zu kommunizieren. Und dann war klar „wir schaffen das“.

Er ist ein großartiger Kombinierer, ein echter Allrounder, der alle seine Sinne allzeit bereit hat und zu nutzen weiß. Er ist ein kleiner Erbsenzähler, kontrolliert jeden kleinen Geruchspartikel, muss sich immer und überall nochmals nachversichern.


Am Vortag der Prüfung, als die Trails ausgelegt wurden, ging ein Unwetter über den Prüfungsort. Sinnflutartige Regenfälle, orkanartige Böen und Blitze – perfekte Bedingungen um einen Trail zu zerstören!!

Dementsprechend empfing uns der Prüfer am anderen Morgen auch mit der Ansage, dass es fast unmöglich sei, diese Spuren zu arbeiten. Wer durchfallen würde, solle bitte keine Sekunde traurig sein, denn dann sei es für den Hund einfach nicht machbar gewesen. Wer allerdings bestehen würde, der könne sicher sein, dass der Hund zurecht ein Einsatztrailer sein würde.

So sind wir mit mulmigem Gefühl zuerst in den Wesens- und Sozialtest gestartet. Willy bestand diesen mit Bravour. Reagierte weder auf Bedrängen noch auf Geräusche, zeigte sich freundlich und neutral gegen Mensch und andere Hunde. Ich war hier schon sehr stolz auf ihn. Danach bekamen wir unsere Geruchsartikel und mussten selbst Duplikate davon herstellen. Dies wurde vom Prüfer ebenso bewertet, wie die darauf folgende Befragung und Einholung aller wichtigen Informationen zur vermissten Person. Prüfungsrelevant waren auch unsere Kenntnisse im Sprechfunk und natürlich in erster Hilfe.

Zur Suche starteten wir als drittes Team. Der Druck war immens, da die zwei Teams vor uns das Unmöglich möglich gemacht hatte: sie hatten gefunden und somit bestanden.

Die gelegten Spuren waren zw 12 und 24 alt und bis maximal 1000 m lang.

Unser Startpunkt war mir sympathisch, ich ließ Willy zuvor casten und sich ein Bild des Startbereiches machen. Es nieselte leicht, also gute Bedingungen für ihn. Wir starteten und ich war mir schnell sicher, er hat eine Spur aufgenommen. Sehr zielsicher und sehr schnell, in bester Willymanier, arbeiteten wir uns voran. In einer Sackgasse gestrandet war ich mir aber schon ziemlich sicher, in welche Richtung er den Trail verfolgen würde. Da kombinierte er wieder absolut souverän auch seine Erfahrung als Flächenhund. Auf dem kompletten Trail überkam mich nur in einer Situation kurz ein Gefühl des Zweifels, dieses legte sich aber schnell wieder. Willy suchte zielstrebig und motiviert, es gab keinen Grund zur Sorge. Im letzten Moment erkannte ich einen sehr gezielten Blick, doch leider war meine Reaktion zu langsam und so überliefen wir kurz den Abgang, der uns direkt zum Vermissten geführt hätte. Also mussten wir ein paar Meter extra zurücklegen, waren dann aber sehr schnell am absoluten Ziel unserer Träume. Als wir auf die VP zuliefen und ich wusste „wir haben es geschafft“, konnte ich fast keinen klaren Gedanken mehr fassen. Wir versorgten unseren Vermissten, belohnten Willy fürstlich und dann brach der Jubel meiner Staffelkameraden über uns herein.

Das waren Gefühle, die mit Worten kaum zu beschreiben sind. So viel Zeit, so viele Nerven, so viel körperliche Belastung, auch viel Geld – und am Ende hatte sich ALLES mehr als gelohnt.

Besonders schön war das große Lob des Prüfers an alle angetretenen Teams. Aufgrund der besonderen Bedingungen seien alle Leistungen von Hund und Mensch auch ganz besonders zu werten. Alle der Hunde würde er sofort ohne zu überlegen in einen Einsatz schicken. Diese Worte machen mich immer noch sehr stolz.

Der erste große Schritt ist nun geschafft. Ein paar Wochen dürfen wir uns nun einfach mal freuen, schöne Trainings machen und einfach stolz sein. Und dann gilt aber „nach der Prüfung ist vor der Prüfung“. Wir haben noch tolle Dinge vor: Schulungen, Seminare und ganz viel Real-life-Trainingstrails. Viel Arbeit wartet ab jetzt auf uns. Aber in dem Wissen, dass wir hier genau richtig sind.

DANKE Jutta, für meinen kleinen Piraten. Ein Hund, der sicherlich etwas speziell ist – aber genau deswegen für mich der Once-in-a-lifetime-dog!!!!

DANKE Willy – du hast mich zu einem anderen Menschen gemacht. Ohne dich wäre alles nichts♥


Aalen, im Oktober 2019

Simone Frank
Unser Weg zum Flächensuche-Rettungsteam
Simone und Willy (Pirat Never Say Never Again)
*13. März 2015

Nachdem am 02.Juni 2015 Pirat Never Say Never Again, genannt „Willy“, bei uns eingezogen war, reifte sehr schnell der Plan, mit ihm Rettungshundearbeit zu machen.
Als er ein halbes Jahr alt war, schlossen wir uns der Rettungsstaffel Ostwürttemberg e.V. in unserer Heimatstadt Aalen an. Nach einigen Versuchen im Mantrailing wurde mir sehr schnell klar, dass Willy eigentlich viel besser für die Flächensuche im Wald geeignet ist. Dort konnte er seinem Temperament entsprechend losflitzen und stöbernd seine Nase einsetzen. Dass er dazu quasi geboren wurde, zeigte er uns bereits im ersten Trainingsversuch. Nachdem er beim Opfer war, rannte er zu mir zurück und sprang vor lauter Aufregung und Freude an mir hoch!!! PERFEKT!!! Genau SO sieht bei anderen Rettungshunden eine mühsam und über lange Zeit antrainierte Anzeige im Freiverweis aus! Und Willy hatte das einfach so von sich aus gezeigt!! Damit war der Grundstein gelegt und wir bauten in kleinen Schritten genau darauf auf.


Sehr schnell machte er tolle Fortschritte und wir haben inzwischen einen Hund, der genau weiß, was er „bei der Arbeit“ zu tun hat. Zielsicher sucht er nach seiner grünen Plastikdose mit den Wiener Würstchen drin – denn genau DAS verbindet er mit der Suche nach dem Opfer!! In Situationen, in denen er vor Wochen noch einfach mit jugendlichem Vollgas in den Wald hinein gebrettert ist, sucht er inzwischen schon immer öfter mit Köpfchen, nimmt das Tempo raus und benutzt seine Spürnase!! Eine erfahrene Kollegin, die seit vielen Jahren Springer als Rettungshunde führt, sagte mir unlängst „Mit Willy besitzt du die zukünftige Geheimwaffe eurer Staffel“ – und inzwischen glaube ich auch ganz sicher, dass genau das eines Tages der Fall sein wird. Was Hunden anderer Rassen zum Teil antrainiert werden muss, macht ein Springer einfach von selber. Es liegt ihm im Blut und ist in der Opfersuche eine kostbare Gabe!!!
Wie schon erwähnt wird Willy zum „Freiverweiser“ ausgebildet. Das bedeutet, dass er nach dem Auffinden einer Opferperson zu mir zurückkehrt und mir mit deutlichem Anspringen mitteilt: „schnell kommt mit!! Ich hab jemanden gefunden und ich zeige dir wo die Person ist!!“ Das Hochspringen wird mit einem Stück Wurst von mir belohnt und wenn wir gemeinsam bei der Opferperson angekommen sind, erhält er dort den Rest seiner Wurst-Belohnung. Diese Anzeige ist leider hierzulande nicht sehr weit verbreitet und bedeutet für das Mensch-Hund-Team einen größeren Trainingsaufwand als es zB beim „Verbeller“ (Hund bleibt beim Opfer sitzen und bellt so lange, bis der Hundeführer da ist) der Fall wäre. Die Verhaltenskette des Hin.-und Herpendelns zwischen Hundeführer und Opfer ist für den Hund schwerer zu erlernen und daher fehleranfälliger. Allerdings ist es im Ernstfall eine weitaus angenehmere Situation für die Opferpersonen, da der Hund nur kurz zu der gefundenen Person kommt und dann still und leise wieder verschwindet und Hilfe holt.


Was uns einen unglaublichen Schritt voran gebracht hat, war unser 3-tägiger Flächensuche-Lehrgang im Mai 2016. Dort wurde in kleineren Gruppen intensiv mit den Hunden gearbeitet. Wir wurden ab und zu auch über unsere Grenzen gefordert. Oft war ich mir sicher, dass das so nicht funktionieren wird und Willy das noch nicht schafft – aber er hat mir jedes einzelne Mal das Gegenteil bewiesen. Selbst als er im Wald zum allerersten Mal außer Sicht war (der Horror jedes Besitzers eines jungen Jagdhundes ) und ich nicht mehr wusste, ob er noch sucht oder sich bereits mit einem Hasen vergnügt – selbst da war er zu 100% im Arbeitsmodus und hatte nur den einen Gedanken im Kopf „meine Wurst!!! WO IST MEINE WURST????“ !!!!!
Den stets gepriesenen „will to please“  der Springer Spaniels zeigt er mir in unseren Trainingseinheiten jede Woche auf´s Neue.  Inzwischen konnten wir seinen Trainingsstand stetig noch weiter ausbauen und es gab bislang noch keine Situation, die er nicht meistern konnte. Selbst seine ersten etwas schwereren Opfer hat er mit Bravour gefunden.

Wir sind Jutta Neumeyer von Herzen dankbar, dass sie uns diesen wundervollen und besonderen Hund anvertraut hat. Es ist ein ganz schönes Stück Arbeit, bis so ein Jungspunt erzogen ist – vor allem, wenn er so ein Charakterkopf wie unser Willy ist. Aber ebenso zieht er mit seiner überschäumenden Lebensfreude und seiner großen Freundlichkeit  jeden in seinen Bann. Wo er auftaucht, fliegen ihm die Herzen zu – man muss ihn einfach gern haben!!

Keinen einzigen Tag möchten wir mehr ohne ihn sein. Wir lieben diesen Hund über alles und freuen uns auf viele glückliche Jahre mit ihm.
Aalen, im Juli 2016 - Simone Frank


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